#2/11 Wie entsteht Selbstwirksamkeit? Einleitung
- Kerim Jebabli

- 1. Okt. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Selbstwirksamkeit entsteht nicht einfach so – sie entwickelt sich durch Erfahrungen, Wahrnehmung, Feedback und wie wir all das interpretieren. Wenn du verstehst, welche Bausteine und Prozesse entscheidend sind, kannst du gezielt daran arbeiten, sie zu beeinflussen.
In diesem Artikel schauen wir uns an:
die theoretische Grundlage,
die vier (nach Bandura) zentralen Quellen der Selbstwirksamkeit,
wie diese Quellen wirken und zusammenspielen,
und was aktuelle Forschung dazu sagt.

Theoretische Grundlage
Das Konzept der Selbstwirksamkeit gehört zur sozial-kognitiven Theorie von Albert Bandura. Bandura definierte Selbstwirksamkeit bzw. Selbstwirksamkeitserwartung als die subjektive Überzeugung, eine bestimmte Aufgabe bewältigen zu können, auch wenn Hindernisse auftreten. Entscheidend ist nicht, ob man tatsächlich Erfolg hat, sondern ob man daran glaubt. ([Jerusalem & Schwarzer, „Das Konzept der Selbstwirksamkeitserwartung“] Pädagogische Dokumente; Bandura, 1977/1997)
Die Theorie besagt, dass unsere Überzeugungen über das eigene Können (self‑efficacy beliefs) kognitive, motivationale, emotionale und handelnde Prozesse steuern. Sie beeinflussen, wie wir Aufgaben angehen, wie viel Aufwand wir investieren und wie wir mit Rückschlägen umgehen. Pädagogische Dokumente+2Socialnet+2
Die vier Quellen der Selbstwirksamkeit
Bandura nennt vier Hauptquellen, aus denen sich Selbstwirksamkeit überwiegend speist:
Quelle | Erklärung |
Eigene Erfolgserfahrungen (Mastery Experiences) | Wenn wir Aufgaben erfolgreich bewältigt haben, steigt unser Glaube daran, dass wir ähnliche Aufgaben auch künftig meistern können. Dies gilt als stärkste und zuverlässigste Quelle. Pädagogische Dokumente+2Pädagogische Dokumente+2 |
Stellvertretende Erfahrungen (Vicarious Experiences) | Wenn wir sehen, wie andere Menschen (Modellpersonen) erfolgreich sind, besonders wenn wir sie als ähnlich zu uns wahrnehmen, dann kann uns das inspirieren und unsere eigene Überzeugung stärken. Pädagogische Dokumente+1 |
Verbale Überredung / Überzeugung (Verbal Persuasion) | Ermutigung, Feedback oder positives Lob von anderen (Lehrer:innen, Kolleg:innen, Freund:innen etc.) kann uns helfen zu glauben, dass wir das schaffen. Wichtig ist, dass diese Rückmeldungen glaubwürdig sind. Pädagogische Dokumente+2Opus 4+2 |
Physiologische und affektive Zustände (Physiological & Affective States) | Wie wir uns körperlich fühlen (z. B. Anspannung, Müdigkeit, Stress) und welche Emotionen wir erleben (Angst, Freude etc.) beeinflusst, wie wir unsere Handlungskompetenz einschätzen. Wenn wir mit Stress oder Nervosität konfrontiert sind, kann das unsere Selbstwirksamkeitserwartung schwächen. Wenn wir uns jedoch in einem positiven oder entspannten Zustand befinden, wirkt sich das unterstützend aus. Pädagogische Dokumente+1 |
Der kognitive Informationsverarbeitungsprozess
Die vier Quellen allein sorgen nicht automatisch dafür, dass Selbstwirksamkeit entsteht. Entscheidend ist, wie die Person diese Informationen wahrnimmt, interpretiert und verarbeitet. Hier spielt der kognitive Prozess eine große Rolle:
Selektion und Aufmerksamkeit: Welche Informationen nehme ich wahr? Welche messe ich Bedeutung bei?
Einschätzung und Interpretation: Wie deute ich meine Erfahrung? Ein Erfolg kann als persönlicher Verdienst wahrgenommen werden – oder als Glück.
Reflexive Gedanken: Wie denke ich über vergangene Leistungen oder Beobachtungen nach? Welche Schlüsse ziehe ich daraus?
Übertragbarkeit: Ich übertrage Erfahrungen auf neue, ähnliche Situationen – oder aber ich glaube, dass diese Erfahrungen nicht übertragbar sind.
Bandura hebt hervor, dass Selbstwirksamkeitsinformationen erst durch Denken und Reflektieren effektiv werden. Pädagogische Dokumente+1
Zusammenspiel der Quellen & Moderatoren
Die vier Quellen wirken nicht isoliert, sondern in Zusammenspiel – und ihre Bedeutung kann variieren je nach:
Persönlichen Merkmalen (z. B. bisherigen Erfahrungen, Persönlichkeit, Selbstwert)
Kontext (z. B. wie unterstützend das Umfeld ist, wie sozial sichtbar Erfolge sind, wie herausfordernd die Aufgabe ist)
Modell‑ähnlichkeit bei stellvertretenden Erfahrungen – je ähnlicher das Vorbild, desto wirkungsvoller. Pädagogische Dokumente
Affektive Zustände: negative Emotionen schwächen die Wirkung bei Erfolgserfahrungen oder verbaler Persuasion, positive Emotionen können sie verstärken.
Empirische Studien – etwa im Lehrberuf – zeigen, dass eigene Erfolgserfahrungen oft der stärkste Prädiktor für Selbstwirksamkeitsentwicklung sind, gefolgt von den anderen Quellen. Aber es gibt auch Hinweise, dass verbale Überredung und stellvertretende Erfahrungen zum Teil ihre Wirkung über Erfolgserfahrungen entfalten (also indirekt). Pädagogische Dokumente
Aktuelle Forschungsergebnisse zur Entstehung
Ein paar Beispiele aus der Forschung:
In Studien mit Lehrkräften und Lehramtsstudierenden zeigte sich, dass Selbstwirksamkeit mit zunehmender Praxis in Unterrichts- oder Praxissemestern steigt, besonders wenn Erfolgserlebnisse gemacht werden und unterstützendes Feedback vorhanden ist. Pädagogische Dokumente
Forschungen weisen darauf hin, dass negative affektive Zustände (z. B. Angst, Stress) Selbstwirksamkeit senken, besonders wenn man wenig Übung hat. Umgekehrt helfen positive Zustände (z. B. Begeisterung, Ruhe) die Wahrnehmung eigener Wirksamkeit zu stärken. Opus 4+1
Es gibt Hinweise, dass das Umfeld, soziale Unterstützung und Mentoring eine Rolle spielen – sowohl in Bezug auf verbale Überzeugungen als auch auf stellvertretende Erfahrungen. Pädagogische Dokumente+1
Tipps, wie du die Entstehung deiner Selbstwirksamkeit bewusst fördern kannst
Damit die Theorie nicht abstrakt bleibt – hier sind konkrete Impulse:
Suche nach Gelegenheiten für kleine Erfolgserlebnisse – Aufgaben, bei denen du machst, was du kannst, und siehst, dass du Fortschritte machst.
Beobachte Menschen, die etwas geschafft haben, was du erreichen willst – Vorbilder können motivieren, besonders, wenn sie dich inspirieren und du Ähnlichkeiten wahrnimmst.
Ermutigung und Feedback einholen – z. B. durch Freund:innen, Mentor:innen oder Coach(es), die an dein Potenzial glauben.
Achte auf deine Gefühle und Körpersignale – bei Stress: Atemtechniken, kurze Pausen, körperliche Entspannung. So verhinderst du, dass negative Zustände deine Selbstwirksamkeit untergraben.
Reflektiere regelmäßig deine Erfahrungen: Was lief gut? Was hast du gelernt? Wie kannst du diese Erkenntnisse auf neue Situationen übertragen?
Fazit
Selbstwirksamkeit entsteht durch ein Zusammenspiel von verschiedenen Quellen – eigene Erfolge, Beobachtungen, Feedback und wie wir uns fühlen – jeweils eingebettet in unsere Wahrnehmung und Interpretation. Wenn du diese Quellen pflegst und lernst, wie du sie bewusst nutzt, wächst Selbstwirksamkeit stetig. Das gibt dir Kraft, Herausforderungen selbstsicherer anzupacken und resilienter zu werden.
Wenn Du erfahren möchtest, wie ich Dir dabei helfen kann Deine Resilienz zu stärken, dann sollten wir mal sprechen



